Maybrit Illner bemüht den Tabubruch

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An und für sich hatte bereits Thilo Sarrazin in seinem Buch: DER NEUE TUGENDTERROR die Psychologie des Tabubruches mit vielen Hinweisen der Öffentlichkeit erläutert. Die Mainstream-Medien versuchen insbesondere in den Talk-Shows das Publikum davon zu überzeugen, dass Tabus besser nicht gebrochen werden sollen. Damit wollen sie die Wähler bei ihren Wahlentscheidungen beeinflussen. Denn Tabus bricht Frau/Mann nicht, wie der Volksmund zu berichten weiß.

Solch ein Tabu wollte Maybrit Illner wieder in Erinnerung bringen und die drohende Regierungsfähigkeit von LINKS und RECHTS zu thematisieren, die bei der nächsten Bundestagswahl zu völlig neuen Machtverhältnissen führen könnte.

Solch ein Tabu war seit 1989 die Zusammenarbeit mit der PDS bzw. jetzt die Partei DIE LINKE auf Bundesebene. DIE LINKE wurde als politisches Tabu stilisiert, eine Partei, mit der man aufgrund der DDR-Vergangenheit keinerlei Zusammenarbeit anbieten konnte.

Die Unantastbaren waren allenfalls in den neuen Bundesländern als Koalitionspartner aufgrund der Wahlergebnisse zwangsläufig geduldet, auch weil die Ministerpräsidenten in den Ländern bisher von der SPD gestellt werden konnten.

Das Bundesland Thüringen soll nach dem Willen der Koalitionspartner SPD und GRÜNE erstmals einen Ministerpräsidenten der Partei DIE LINKE erhalten. Offensichtlich hat die SPD begriffen, dass sie sich aus der Umklammerung der UNION langsam lösen muss, um nach der Armutspolitik AGENDA 2010 nicht noch mehr Wähler zu verlieren. Das kann offenbar nur gelingen, wenn die SPD den Bundeskanzler stellt, so jedenfalls die zu vermutende Strategie.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, wenn Maybrit Illner in ihrer Talkshow den verstoßenen und verbitterten Werner Schulz (Grüne), den für “flotte Sprüche” bekannten Markus Söder (CSU) und den AfD-Chef Prof. Lucke einlädt, um zunächst Dietmar Bartsch (DIE LINKE) und die Generalsekretärin der SPD, Yasmin Fahimi, vorzuführen, dann die AfD.

Zur Einstimmung durfte Werner Schulz seine Empörung zum Ausdruck bringen, dass die vom Verfassungsschutz beobachteten Erben der SED nicht in Regierungsämter gehören, weil das für die Opfer des Unrechtsregimes unzumutbar wäre. Ähnliche Argumente durfte anschließend Markus Söder zur Publikumsbeeinflussung  einbringen.

Der AfD-Vertreter wurde augenscheinlich nur geladen, um beide als “extremistisch” stilisierten Parteien vorführen zu können.

Das gelang noch nicht einmal ansatzweise. Dietmar Bartsch erinnerte an die Parlamentsmitglieder aus den Blockparteien, die zu SED-Zeiten bereits in Amt und Würden waren und mit deren politischer Vergangenheit die Altparteien aus dem Westen nie Probleme hatten.

Zwar versuchte Maybrit Illner die Aufzählung der Namen zu unterbinden, jedoch gelang das nicht vollständig; die “Ungleichbehandlung” der Vergangenheit wurde jedenfalls unüberhörbar.

Prof. Lucke attackierte DIE LINKE eher sachlich; er vermied wie immer plumpe Attacken, anders als Werner Schulz und Markus Söder. Es war die Generalsekretärin der SPD die daran erinnerte, dass der Ministerpräsident in spe, Bodo Ramelow, aus dem Westen kommt (Rheinhessen, evangelisches Elternhaus).

Der gezielte Versuch, LINKS und RECHTS zu stigmatisieren, misslang gründlich. Auch die ständigen Hinweise auf die “Opfer” des DDR-Regimes wurden von Dietmar Bartsch mit dem Hinweis in die Schranken gewiesen, dass die Anträge der Partei DIE LINKEN, die Opfer des DDR-Regimes angemessen zu entschädigen, ständig von den Altparteien im Bundestag zurückgewiesen wurden.

Maybrit Illner startete (auftragsgemäß?) den Versuch, Prof. Lucke mit dem Begriff ENTARTUNG in die RECHTE ECKE zu stellen. Nachdem Prof. Lucke unter Anderem auf den CDU-Politiker Schäuble und andere Politiker aus den Reihen der Altparteien, bis hin zu Altkanzler Helmut Schmidt hinwies, die das Wort ENTARTUNG ebenfalls benutzt hatten, ohne auf medial verbreitete Empörung oder Kritik in den Altparteien zu stoßen, brach der Versuch der Stigmatisierung in sich zusammen.

Übrig blieb der Vorwurf des POPULISMUS, der insbesondere der AfD Wähler eingebracht haben soll. Gemeint war damit, dass die AfD mit allzu einfacher Darstellung der komplexen Sachverhalte auf Stimmenfang gegangen war und den Wählern suggeriert hätte, dass es für alle Probleme “einfache” Lösungen gibt.

Den Vorwurf, dass die AfD im Wahlkampf die “Innere Sicherheit” der DDR glorifiziert hätte, konterte Prof. Lucke mit dem Hinweis, dass die AfD lediglich die Sorgen der Bürger aufgenommen hätte und dass die bisherigen demokratischen Regierungen versagt hätten, weil sie nicht für die gebotene Sicherheit in ihrer Regierungszeit gesorgt hatten.

Markus Söder wirkte nach den anfänglichen rhetorischen Plattheiten eher zurückhaltend, wohl auch deshalb, weil er argumentativ gegenüber Dietmar Bartsch blass blieb und er der Gegenrede von Dietmar Bartsch, angereichert durch bekanntgewordene Beispiele, kaum etwas sinnvolles entgegensetzen konnte. Die Polemik im Sinne der ROTE SOCKEN KAMPAGNE (Stichwort: erfunden durch den ehemaligen Generalsekretär Peter Hinze (CDU)) bzw. die Stigmatisierung der AfD fruchtete nicht; sogar der ansonsten zu hörende Beifall des Publikums blieb bei plumpen und polemischen Attacken weitgehend aus.

Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Wiederbelebung der TABU-Kampagne gegen RECHTS und LINKS gründlich gescheitert ist. Das lag auch daran, dass die Vertreter der UNION und der GRÜNEN wenig überzeugen konnten. Der polternde und verbittert wirkende Werner Schulz weckte allenfalls Mitleid; seine überzogene Rhetorik konnte nicht überzeugen. Denn Verbrechen sind immer Individualtaten, die zu verurteilen sind; keineswegs kann daraus eine Kollektivschuld unbeteiligter Bürger oder gar junger Bürger nach 25 Jahren abgeleitet werden, die das DDR-Regime nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen.

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