Sarrazin und der angeblich “vergoldete” Abgang

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Die Zeitungen und das Fernsehen meldeten noch vor wenigen Tagen den Rückzug von Thilo Sarrazin aus der Bundesbank. Von vielen Journalisten wurde sogleich hervorgehoben, dass keinerlei Abfindung gezahlt werden würde! Wer die Usancen bei solchen Vorgängen in der Vergangenheit verfolgt hat dem musste an und für sich damit rechnen, dass die Medien nur Halbwahrheiten verkünden.

Nachdem sich die Meldungen jetzt als falsch erwiesen hatten, schwenkt die JOURNAILLE um und spricht von “honorieren” und “vergolden” des Abganges!

Aber auch das ist ein Bild, das der Sache nicht gerecht wird.

Bei einem “Quasi-Sofortrauswurf”, den die JOURNAILLE pflichtgemäß als Steigbügelhalterin der UNION/FDP erwartete, zumal die Bundeskanzlerin ja offenkundig den Rauswurf verlangte und Bundesbank und Bundespräsident folgsam sein sollten, wäre die Pension auf den Stichtag des Rauswurfes ermittelt worden.

Die Wahrheit sieht aber ganz anders aus. Die Bundesbank hat den Gescholtenen rehabilitiert, indem sie öffentlichkeitswirksam die Vorwürfe zurücknahm und die Pension auf das Ende der ursprünglich vereinbarten Vertragslaufzeit berechnete!

Insofern hat sich die Bundesbank den Wünschen von JOURNAILLE und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) widersetzt, auch weil ansonsten ein langjähriger Rechtsstreit drohte, der letztlich allen Seiten nur hätte schaden können.

Damit hat die Führung der Bundesbank die Kraft gefunden, sich den undemokratischen und durch nichts zu rechtfertigenden Wünschen der Kanzlerin und des willfährigen Parteigängers, der jetzt Bundespräsident sein darf, entzogen!

Prof. Arnulf Baring beurteilte bei “Anne Will das Ansinnen der Kanzlerin sichtlich erregt als “unerhörten Vorgang” in einer Demokratie.

Henryk M. Broder bescheinigte sogar der Kanzlerin  “eine latente Nähe zur Tradition der Reichsschrifttumskammer der Nazis”, als sie vor Erscheinen des Buches von Sarrazin bereits ein Urteil über die Inhalte und Absichten fällen konnte und sogleich den Rauswurf gegenüber der Bundesbank insistierend nahelegte. In dem Artikel – Das Trio Infernale und die selbst geschaffene Staatsaffäre – sind weitere Zusammenhänge beschrieben.

Tatsache ist, dass Thilo Sarrazin lediglich die VERTRAGSERFÜLLUNG im Sinne von – pacta sunt servanda – (Verträge sind einzuhalten) einforderte, was ihm die BUNDESBANK auch zubilligte, wohl auch um das Amt des Bundespräsidenten nicht weiter beschädigen zu lassen. Die fehlende Substanz an Demokratie bei der Kanzlerin musste von der Bundesbank ausgebügelt werden, damit sich nicht auch noch der Bundespräsident einmal mehr in der Öffentlichkeit entschuldigen musste. Da erschien im Nachhinein das “Aushalten des Bundespräsidenten” und seiner Familie während des Urlaubes geradezu als Petitesse im Vergleich zu seiner Einlassung bezogen auf Sarrazin! Hoffentlich bleiben uns solche Fehlleistungen zukünftig erspart. Manche dürften sich sogar bereits HORST KÖHLER zurückgewünscht haben, der mit seinem Rücktritt auch der Kanzlerin die Grenzen der Beschädigung seines Amtes aufgezeigt hatte.

Wer diesen Vorgang mit “vergoldet” oder mit “honorieren” umschreibt, der zeigt allenfalls eine besondere Art der (un)seriösen Berichterstattung, wie sie für die JOURNAILLE typisch ist.

Eine Vertragserfüllung darf erwartet werden; das gilt auch für den Vorstand einer Bundesbank. Und selbst bei einem Rechtsstreit wäre kaum etwas anderes herausgekommen. Insofern hat sich Sarrazin den Folgen seiner unabweisbaren Provokationen gestellt und die Bundesbank hat trotz massiver Einflussnahmen durch Kanzlerin und willfährigem Bundespräsidenten eine weise Entscheidung getroffen.

Ab und zu gibt es auf diesen Ebenen auch einmal so etwas wie Vernunft und Weitsicht.

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2 Antworten to “Sarrazin und der angeblich “vergoldete” Abgang”

  1. ebook leser Says:

    Irgendwie lässt mich das Thema Sarrazin einfach nicht los. Der SPD-Vorstand hat das Parteiordnungsverfahren gegen Thilo Sarrazin ohne Gegenstimmen beschlossen. So wie ich in der Presse lesen kann, hat der Fall Sarrazin ein grosses Echo innerhalb der SPD hervorgerufen. Warum so frage ich mich, macht diese Partei nicht eine Mitgliederbefragung. Siche aus dem gleichen Grund warum die Merkel nicht die Bürger über die Verlängerung der AKWs befragt hat. Etwas mehr direkte Demokratie ist schon wünschenswert, in den Parteien, wie in der Regierung. Der Bürger kommt sich langsam wie Stimmvieh vor, dass alle 4 Jahre an die Urne gerufen wird. Kein Wunder, dass die Anzahl der Nichtwähler immer mehr ansteigt.

  2. Charm Blog Says:

    In Diesem Vergoldeten…

    […] sse lesen kann, hat der Fall Sarrazin ein grosses Echo innerhalb der SPD hervorg […]…

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