Love-Parade: Die Posse wird fortgesetzt, damit das Land NRW und die Stadt Duisburg finanziell geschont werden

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Wie im vorhergehenden Artikel sei nochmal hervorgehoben, dass es bei den voreiligen und nicht überzeugenden Schuldvorwürfen durch die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) an und für sich nur um die Frage geht, wer die Zeche bezahlen soll. Da helfen Vorverurteilungen wenig, zumal sie von den Mitverantwortlichen der Polizei Duisburg bzw. über den neuen Polizeipräsidenten in Duisburg kommen. Es ist daran zu erinnern, dass der ehemalige Polizeipräsident in Duisburg, Rolf Gebin, sich heftig gegen die Veranstaltung gewehrt hatte, wie ZEIT ONLINE mit Hinweis auf Berichte der Süddeutsche Zeitung schrieb:

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, habe die Duisburger Polizei schon früh vor Mängeln im Sicherheitskonzept gewarnt. Sie sei aber auf politischen Widerstand in der Stadt gestoßen. Vor allem der mittlerweile in Ruhestand gegangene Polizeipräsident Rolf Cebin soll sich heftig gegen die Austragung der Veranstaltung gewandt und damit den Unmut der Lokalpolitik zugezogen haben. Der SZ zufolge verlangte der Duisburger CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg gar die Absetzung Cebins.

Deswegen sieht die Polizei die Verantwortung bei der Stadtverwaltung. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen, Frank Richter, sagte, die Stadt sei als Genehmigungsbehörde zuständig gewesen, und habe trotz kritischer Stimmen aus der Polizei „darauf bestanden, das in dieser Art und Weise durchzuführen“.

Auch RUNDSCHAU ONLINE berichtete am 26.07.2010 bereits über massive und grundlegende Bedenken der FEUERWEHR, die von der Stadt Duisburg an die Seite gedrückt wurden:

Die Macher der „Loveparade“ waren gewarnt. In einem internen Vermerk der Berufsfeuerwehr Duisburg an Verantwortliche der Stadt stellten die Retter bereits im Oktober 2009 klar, dass sie enorme Sicherheitsbedenken bei der Durchführung der Massenveranstaltung hätten. Ein Branddirektor machte in seiner Mitteilung deutlich, dass es zu gefährlich sei, die Besucher des Spektakels durch die langen Tunnels zu schicken. „Es wurde nicht reagiert“, sagte ein Beamter der Kölnischen Rundschau. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg soll von diesem internen Vermerk gewusst haben.

Den Behörden in Duisburg liegt bereits eine Anzeige eines Feuerwehrmannes vor. Dies wurde bei der Pressekonferenz gestern Mittag bekannt. Der Feuerwehrmann hatte genau vor dieser Gefahrenstelle gewarnt, an der die Katastrophe passiert ist.

Dass Hannelore Kraft (SPD) jetzt so tut, als habe nur der Veranstalter Verantwortung zu tragen, kann nur als Versuch gewertet werden, die Mitverantwortung des Landes NRW zu verschleiern. Denn es war der damalige Innenminister in NRW, Ingo Wolf (FDP), der vom Duisburger CDU-Kreisvorsitzenden Thomas Mahlberg aufgefordert wurde, gegen den ehemaligen Polizeipräsidenten Rolf Cebin vorzugehen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu:

Vor allem der mittlerweile in Ruhestand gegangene Polizeipräsident Rolf Cebin hatte sich wegen Sicherheitsbedenken heftig gegen die Austragung der Loveparade gewandt. Daraufhin forderte der Duisburger CDU-Kreisvorsitzende und damalige Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg nach SZ-Informationen in einem Brief an den seinerzeitigen FDP-Innenminister Ingo Wolf die Absetzung des Polizeipräsidenten. Das Schreiben aus dem Februar 2009 ist immer noch auf der Homepage der Duisburger CDU einsehbar.

Die „Bürde“ eines streitlustigen Polizeichefs

„Die Duisburger Polizei ließ erklären, eklantante Sicherheitsmängel stünden der Durchführung der Loveparade entgegen. Eine Negativberichterstattung in der gesamten Republik ist die Folge“, heißt es in der Mitteilung. „Der Eklat veranlasst mich zu der Bitte, Duisburg von einer schweren Bürde zu befreien und den personellen Neuanfang im Polizeipräsidium Duisburg zu wagen“, schrieb der Christdemokrat Mahlberg.

Soweit kam es nicht: Der widerspenstige Polizeichef Cebin ging in Rente – und mit ihm verschwand einer der härtesten Gegner des Prestigeprojekts Loveparade.

Das will jetzt die Ministerpräsidentin, Hannelore Kraft (SPD) nicht mehr wissen, weil damit auch das Land NRW bzw. die damalige Regierung, bestehend aus CDU und FDP, sich maßgebend in das Verfahren eingemischt hatte, um den Wünschen von OB Sauerland und seines Kreisvorsitzenden zu entsprechen. Merkwürdig nur, dass das Problem Rolf Cebin dann flugs “in Rente” ging und damit offenbar der größte Widerstand beseitigt werden konnte.

Jetzt wartet Hannelore Kraft (SPD) mit Schein-Kausalitäten auf, die z.B. auf der mangelnden Anzahl von Ordnern beruhen. Sie greift damit den Untersuchungsergebnisse der Kölner Polizei und der Staatsanwaltschaft vor, weil sie sich im Wesentlichen nur auf die Aussagen der nicht mehr widerspenstigen Polizei des Landes NRW, insbesondere der Polizei in Duisburg beruft. Die Aussagen des ehemaligen Polizeipräsidenten, Rolf Cebin, will sie offenbar VERGESSEN MACHEN.

Schein-Kausalität deshalb, weil der TUNNEL als einziger Zu- und Abgang für mehr als 1 Million Besucher als völlig ungeeignet gelten muss, zumal das Gelände maximal nur 250.000 Besucher aufnehmen sollte/konnte! Und man braucht kein Experte zu sein um zu wissen wie schwierig es sein kann,  stundenlang wartende, drängende, inzwischen wütende und auch zunehmend ängstliche und alkoholisierte Besucher in einem engen Tunnel zu steuern! Da wäre eher die Frage berechtigt ob geprüft wurde, vor allem vor dem Hintergrund der unübersehbaren massiven Sicherheitsbedenken, ob überhaupt wenig oder gar nicht ausgebildete ORDNER, die der Veranstalter für das “kleine Geld” beschäftigt, für die Bewältigung solch eines Andranges überhaupt in Frage kommen konnten!!! Und für den “Tunnel-Bereich” (=öffentliches Gelände) ist die Polizei verantwortlich die darüber entscheidet bzw. steuert, wie viele Personen sich überhaupt im Tunnelbereich aufhalten dürfen. Und die maximale Anzahl der Personen im Tunnel hätte sich aus dem “Sicherheitsgutachten” ergeben müssen! Die Kernfrage ist also, warum nicht das Betreten des Tunnel-Bereiches so geregelt bzw. gesteuert werden konnte, dass eine gefährliche Überfüllung erst gar nicht zustande kam? Hierbei dürften die eingesparten Kameras im Tunnelbereich eine große Rolle spielen!!!

Da klingt es geradezu albern und grotesk, wenn Hannelore Kraft (SPD) jetzt alleine ihre SCHULDZUWEISUNG auf den Veranstalter konzentriert, der angeblich zu wenige Ordner auf dem Gelände hatte?!

Wer so schnell urteilt, dem kann es nur um die Frage gehen, wer am Ende alles “mit haftet”, da geht es um das GELD, das weder die Stadt Duisburg noch das Land NRW für die Opfer bzw. die Hinterbliebenen aufbringen wollen. Auf jeden Fall würde sich die Verhandlungsposition verbessern, wenn man dann “ohne rechtlichen Grund” mit einer Geste der “Großzügigkeit” die Betroffenen billigst abspeisen kann! Das dürfte der Grund sein, warum sich Hannelore Kraft (SPD) auf die schnelle und wenig glaubhafte Vorverurteilung eingelassen hat. Nicht das am Ende noch herauskommt, dass auch die SPD in NRW die Veranstaltung befürwortete und durchsetzen wollte?!

Dass die JOURNAILLE sich schützend vor die CDU und die FDP in Duisburg und in NRW stellt, ist nicht verwunderlich. Die NachDenkSeiten haben zu Recht darauf hingewiesen wie der Blätterwald und die Fernsehberichterstattung aussehen würde, wenn z.B. Frau Ypsilanti die Oberbürgermeisterin von Duisburg gewesen wäre. Da kann sich jeder leicht vorstellen, dass sich da ein journalistischer Tsunami durch ganz Deutschland entwickelt hätte, mit der ganzen Palette der Fakten und Argumente.

Aber die JOURNAILLE hat die Schwierigkeit, dass sie selbst das Beiseiteschieben von Sicherheitsbedenken gefördert hatte. Ein Leser der NachDenkSeiten (vgl. unter 26.) informierte über einige aufschlussreiche Zeitungsartikel:

Die Presse machte mächtig Druck. “Warum darf die Loveparade 2010 nicht ausfallen?”, fragte die Bild in ihrer Ruhrgebietsausgabe im Januar den Mann, der das größte kommerzielle Interesse an dem Event hatte: Rainer Schaller, der Organisator der Loveparade. Die Antwort Schallers, der den Techno-Trubel als Werbung für seine Billigfitnesskette McFit nutzt, war deutlich: “Zu kleinlich” werde die Diskussion um Kosten von 800.000 Euro geführt, die dem mit Milliardenschulden vor der Pleite stehenden Duisburg drohten. “Mehr als 100 Millionen Euro” habe 2008 die Loveparade nach Dortmund gespült, hinzu käme ein “gigantischer Marketingwert”.

Als führende Regionalzeitung legte sich auch die Westdeutsche Allgemeine (WAZ) ins Zeug. Würde die Loveparade von der Duisburger Stadtverwaltung um CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland “ausgerechnet im Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt wieder abgeblasen, wäre es peinlich für das Revier”, kommentierte die WAZ. Und nachdem Sauerlands Stadtverwaltung aller Sicherheitsbedenken zum Trotz grünes Licht gab, lief die Werbemaschine richtig an: “So geil ravt die Loveparade”, schrieb Bild und zeigte knapp bekleidete Technofans.

Insbesondere folgender Teil aus dem Artikel erklärt vielleicht auch noch mehr:

Bis zur Katastrophe dürfte die Duisburger Stadtverwaltung das Gefühl gehabt haben, alles richtig zu machen. Zudem hatten die Bürokraten wohl das Schicksal des ehemaligen Bochumer Polizeipräsidenten Thomas Wenner vor Augen, der sich 2009 mit seinen Sicherheitsbedenken durchgesetzt hatte und daraufhin als Bedenkenträger abgekanzelt wurde. “So richtig peinlich” sei die Absage, befand die WAZ-Gruppe damals: “Bochum reißt die ganze Region mit rein. Wie stehen wir jetzt da?”

Wäre es nicht angebracht, dass die in dem Artikel angesprochene  Presse, die ebenfalls die existierenden Sicherheitsbedenken leichtfertig ausgeblendet hatte, SPENDEN für die Betroffenen bereitstellen, die von den Journalisten und Verlagshäusern eingesammelt werden?! Die mangelnde Objektivität der Berichterstattung ist jedenfalls nicht zu übersehen, Gier und Abzockermentalität standen einmal mehr im Vordergrund.

Wenn Hannelore Kraft eine ehrliche Beurteilung abgeben will dann sollte sie eingestehen, dass die Polizei in eine nicht zu bewältigende Aufgabenstellung gedrängt wurde, weil einmal mehr die Gier nach GELD im Vordergrund stand und die JOURNAILLE zuvor reichlich Druck erzeugt hatte, um die Prestige-Veranstaltung durchzuführen. Dabei sollte sie auch die Vorgänge um Rolf Cebin und den damaligen Innenministers Ingo Wolf (FDP) ausleuchten, damit sie einmal fundiert über die politische Mitverantwortung der ehemaligen Landesregierung öffentlich berichten kann.

Ob Hannelore Kraft (SPD) zu diesen Wahrheiten fähig ist, wird sich noch zeigen. Der Wähler sollte den weiteren Ablauf aufmerksam verfolgen.

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