Erinnerung an Srebrenica

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Es fällt auf, dass die Erinnerung an den Jugoslawien-Konflikt in den Medien immer noch sehr einseitig dargestellt wird, obwohl an und für sich bereits viele Belege dafür vorliegen, dass die GESCHICHTE etwas anders geschrieben werden muss.

Aus einem Gespräch mit Edward S. Herman, emeritierter Professor für Finanzwirtschaft an der Universität von Pennsylvania/USA, das Cathrin Schütz geführt hat (junge Welt, 02.08.2008) folgende Auszüge:

Der Name des ehemaligen Präsidenten der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, ist untrennbar mit dem verbunden, was als »von den aus Belgrad kontrollierten bosnischen Serben begangenes Massaker von Srebrenica an 8000 bosnisch-muslimischen Jungen und Männern« dargestellt wird. Was sagen Sie als Vorsitzender einer Gruppe, die sich um eine objektive Betrachtung der Ereignisse im bosnischen Srebrenica bemüht, zu seiner eben erfolgten Auslieferung an das Sondertribunal für Jugoslawien (ICTY)?

Ich kann ihr nichts Positives abgewinnen. Sie spiegelt die andauernde Demütigung und den Verlust der staatlichen Souveränität Serbiens wider, das seit 1990 den Angriffen der EU ausgesetzt ist. Die EU bestimmt, was Serbien zu tun hat, um von der Liste der Bösen gestrichen zu werden. Das Land verliert dabei seine Autonomie, seinen Stolz und seine Besonderheiten. Der westliche Druck machte es zum scharf gespaltenen, gebrochenen Land, zum failed state.

Was sagen Sie zur Äußerung des US-Diplomaten Richard Holbrooke im aktuellen Spiegel, Karadzic hätte einen »guten Nazi« abgegeben?

Bosnien war Schauplatz eines vom Westen geschürten, häßlichen Krieges. Ein Völkermord dagegen hat nicht stattgefunden. Vielleicht haben die bosnischen Serben mehr Menschen getötet als die Kroaten und Muslime, aber letztlich standen sie sich in nichts nach. Doch nur die Serben galten als Täter. Karadzic unterschied sich durch nichts von Dutzenden anderen Kriegsbeteiligten, die taten, was in einem solchen Bürgerkrieg normal ist. Ich halte ihn für weit weniger schuldig an Massentötungen als George Bush senior, William Clinton, Madeleine Albright und Anthony Blair. Sein Prozeß ist ein klassischer Fall selektiver Strafverfolgung,
hat also nichts mit Gerechtigkeit zu tun.

Es heißt gemeinhin, die Welt habe dem Krieg tatenlos zugesehen.

Sie hat das Töten gefördert, indem sie parteiisch war, die Abspaltung Sloweniens, Kroatiens und Bosniens von Jugoslawien antrieb, der isolierten serbischen Bevölkerung in diesen neuen politischen Gebilden aber nicht erlaubte, in Jugoslawien zu verbleiben oder sich mit Serbien zu vereinigen. Deutschland und die USA spielten die aggressivste Rolle. Sie bewaffneten auch die Muslime und erlaubten Dschihad-Kämpfern, nach Bosnien zu ziehen, um an deren Seite zu kämpfen. Der Westen verhinderte eine Verhandlungslösung und förderte einen Krieg der ethnischen Säuberung. Er belohnte die Sezessionisten, in dem er ihre völlige Kontrolle über den Staatsapparat in den alten Teilrepubliken zur Bedingung für die Anerkennung der
Unabhängigkeit machte. So hatten die ethnischen Mehr- und Minderheiten keine andere Wahl, als den Konflikt in diesen Kategorien zu verstehen. Den bosnischen Muslimen wurde
signalisiert, daß die -NATO sie unterstützen und gar militärisch eingreifen würde, wenn sie ein Übereinkommen mit den bosnischen Serben ablehnten und den Kampf fortsetzten. Also kündigte ihr Führer Alija Izetbegovic, ermuntert von den USA, das Friedensabkommen von Lissabon auf, das sie mit den bosnischen Serben und Kroaten im März 1992 unterzeichnet hatten. Die Folge waren viele unnötige Tote und Flüchtlinge.

Die kurzen Auszüge machen deutlich, dass die JOURNAILLE immer noch an der Volksverdummung bzw. der einseitigen Darstellung festhalten will. Tatsache ist, dass die damalige Bundesregierung für die Ereignisse in der Region mitverantwortlich war. Man will offenbar Genscher und seine Mitstreiter schützen, die eine nicht unerhebliche Mitverantwortung für die vielen Toten zu tragen haben.

Wer etwas über die wahren Hintergründe wissen will, dem empfehle ich die im Interview zitierten Hinweise auf Bücher und weitere Untersuchungen der tatsächlichen Vorfälle.

Noam Chomsky hat direkt nach dem 11. September gesagt: „Wir können unser  berechtigtes  Entsetzen  ausdrücken,  oder  wir können versuchen zu verstehen, was zu den Verbrechen geführt hat. Wenn wir uns weigern, das  letztere zu tun, dann werden wir höchstwahrscheinlich  dazu beitragen,  dass  weit  Schlimmeres noch vor uns liegt.“

Ich würde noch hinzufügen: Dabei kommt es immer darauf an herauszufinden, was tatsächlich geschehen ist und nicht auf das, was die Journaille uns auftragsgemäß  vorgaukeln will/soll.

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