Griechenland/WDR5: Ökonomischer Dilettantismus

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Was einem da heute von WDR5 zum Thema “Griechenland-Krise” geboten wurde, ist schon an und für sich ein besonderer ökonomischer Dilettantismus.

Da wartete die Moderatorin mit einem eigenen “Experten” aus der Redaktion auf, der mit ihr die scheinbare Notwendigkeit der Zahlungen der EU-Länder für Griechenland zelebrierte. “Man könne ja Griechenland nicht Pleite gehen lassen”, fabulierte die ausgesuchte Expertin.

Offenbar war ihr noch nicht aufgegangen, dass Griechenland bereits die Zahlungsunfähigkeit bekundet hatte, als es die EU-Hilfe beantragte.

Die Wahlkampf-Journaille will aber davon ablenken, wer normalerweise die Zeche zu bezahlen hat! Es sind die Banken und die Versicherer, die Griechenland einen langfristigen Kreditbedarf spekulativ nur mit kurzfristigen Darlehen bei hohen Zinsen finanziert hatten. Mit der Hilfe der Finanzinstitute wurden auch die Statistiken für die EU gefälscht, damit die EU-Verantwortlichen den Beginn der kriminellen Spekulation nicht rechtzeitig wahrnehmen konnten.

Wer einem Staat kurzfriste Kredite gewährt, wissend, dass der Staat in Wirklichkeit langfristige Kredite benötigt und er die kurzfristigen Kredite gar nicht zurückzahlen kann, handelt kriminell.

Es sollte also darum gehen, diesen kriminellen Finanzhaien auch in den Banken in Deutschland das Handwerk zu legen.

WDR5 verbreitet die Position der Banken und kriminellen Spekulanten; die EU-Länder sollen zahlen, damit sich ein paar Kriminelle wie geplant bereichern können. Der nächste Kandidat, Portugal, wurde bereits ins Visier genommen, bis der EURO insgesamt da angekommen ist, wie man bereits gewettet hat!

Moderatoren wie Frau Schulte-Loh verbreiten einen ökonomischen Unsinn mit der sprachlichen Gebärde der Selbstverständlichkeit, dass es schon schmerzt.

Ich will einmal Prof. Hankel zu Wort kommen lassen, der aus der Sicht des Ökonomen bzw. mit seinen Argumenten die tatsächliche Lage transparent macht. Denn am Anfang einer Problemlösung sollte die objektive Analyse der Handlungsalternativen stehen. Aber davon will die Journaille, die das Geschäft der kriminellen Banker, der Gierigen und Abzocker seit Jahren betreibt, nichts wissen.

In einem Interview mit dem Handelsblatt vom 22.02.2010 (Prof. Hankel, Michael Brackmann und Jens Münchrath) wurde folgendes von Prof. Hankel formuliert:

Krisen sind der Testfall für jede Währungsunion. An diesem Testfall wird die Euro-Union genau so scheitern
wie alle früheren Experimente dieser Art. Auf Sicht von fünf Jahren wird die Europäische Währungsunion
Vergangenheit sein. Davon bin ich überzeugt. Die Euro-Zone kann, wenn überhaupt, nur als Kernzone, mit
Ländern des alten Deutschland-Blocks überleben. Es war Harry-Potter-Politik zu glauben, dass strukturell schwache Länder wie etwa Griechenland, Spanien, Italien und Portugal sich an denselben harten Konvergenzkriterien orientieren könnten wie wirtschaftlich starke Länder. Das war ökonomisch gesehen doppelte Moral. Man hat den ehemaligen Weichwährungsländern ein Verschuldungs-fenster geöffnet, das es vorher nicht gab. Und das haben sie wahrgenommen. Die Frage ist doch: Wer ist an der heutigen Misere mehr schuld – der Verführer oder die Verführten?

Und seine Schlussfolgerung lautet:

Die „bad economies“ müssen aus der Euro-Zone verschwinden, sowohl im Eigeninteresse als auch im Interesse der verbleibenden Länder. Das ist die Lösung der ökonomischen und politischen Vernunft.

Natürlich ist denn “Scheinexperten” bei WDR5 anscheinend nicht klar, dass durch “Lohnkürzungen” und ähnliche “Einsparungen” die “Konjunktur” nicht beflügelt werden kann. Ganz im Gegenteil, die bisher noch funktionierenden Teile der Wirtschaft in Griechenland werden dem Strudel der ansteigenden Deflation nicht ausweichen können. Selbst Prof. Sinn (ifo-Institut) hatte jüngst bei Phoenix den Griechen wärmstens empfohlen, aus Eigeninteresse aus dem Euro auszusteigen. Prof. Dr. Wolfgang Gerke (Prof. für Bank- und Börsenwesen, Bayerisches Finanz Zentrum – BFZ –) plädierte ebenfalls dafür, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt, die eigene Währung dann abwerten kann und damit “die Chance auf einen Neubeginn” hat.

Prof. Dr. Wolfgang Gerke hat auch auf die kriminelle Energie von Goldman Sachs hingewiesen; er nennt das “Grenzbereich der Statistik-Fälschung” und “Beihilfe zur Bilanzmanipulation”. Bekanntlich mussten sich gestern die verantwortlichen Banker einem Senatsausschuss stellen, weil sie offenbar gegen die Interessen ihrer Kunden spekuliert hatten!

Zur Wahrheit gehört, dass man die Frage des Moratoriums ernsthaft prüfen muss. Das Argument, dass da Banken in Deutschland betroffen seien, zieht nicht. Die Verluste müssen endlich dort bleiben, wo sie verursacht wurden! Die Gesellschafter der Banken haben ja die Möglichkeit, die verantwortungslosen Vorstände und Aufsichtsräte zur Verantwortung zu ziehen.

Das von der Bundesregierung vor Monaten für die Banken beschlossene “Rettungspaket” reicht aus, um die zu erwartenden Kreditausfälle aus dem Griechenland-Moratorium abzufangen. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass die Banken selbst bzw. die Gesellschafter die Verluste zu tragen haben! Der Staat sollte allenfalls für die Funktionsfähigkeit der Kreditinstitute sorgen, aber nicht die Verluste übernehmen!

Es gäbe auch keinen Grund dafür, den Griechen seitens der Kreditgeber die Möglichkeit der Umschuldung in mittel- und langfristige Kredite zu verweigern. Die Banken haben es selbst in der Hand, die Verluste zu minimieren. Aus dieser Verantwortung darf man sie nicht entlassen!

Prof. Wilhelm Nölling ist zuzustimmen wenn er schreibt: „Wenn man jetzt nicht tief genug schneidet, ist uns ein „Schrecken ohne Ende“ sicher.“


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Eine Antwort to “Griechenland/WDR5: Ökonomischer Dilettantismus”

  1. ebook-blog Says:

    So jetzt ist es raus. Griechenland ist faktisch pleite. Keiner will denen mehr Geld leihen. Warum sollen wir dann gutes Geld dem schlechten nachwerfen. 135 Milliarden brauchen die die nächsten 3 Jahre. Das ist ein Fass ohne Boden. Wir sollten da kein Geld reinstecken.

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